Gutes Schneckenmanagement – Tipps & Tricks

Schnecken sind eigentlich gute Garten-Aufräumer, sie sorgen immer wieder für Ordnung im Garten, entfernen Schadhaftes und kümmern sich um die Garten-Hygiene und den Bodenaufbau. Wenn etwas welkt, sind sie zur Stelle und bilden mit ihren Ausscheidungen wertvollen Humus. Aber sie können auch tierisch zur Last fallen, besonders, wenn sie die liebevoll aufgezogenen Setzlinge wegknabbern, die Dahlien köpfen und die Duftwicken immer wieder pinzieren. Auch in unserem Biogarten müssen wir daher verschiedene Strategien anwenden, um die Population klein zu halten. Das A & O ist das regelmäßige Absammeln. Ganz los wird man die Schnecken nie, wir müssen uns zu einem gewissen Grad schon mit ihnen arrangieren, aber wir sind etwas klüger als sie.

Um sie zu überlisten, muss man ihr Verhalten und ihre Vorlieben genau kennen. Sie kommen meist am Abend zur Dämmerung aus ihrem Versteck, insbesondere nach dem Regen, sie lieben einige Pflanzen mehr als andere (z.B. Chrysanthemen, Dahlien, Strohblumen, Rittersporn, Tagetes, Allium, Narzissen, im Gemüsegarten vor allem Salat, Erdbeeren und Kohl) und sitzen am Tage in kühlen, dunklen Verstecken. Sie haben einen ausgeprägten Geruchsinn und wittern Leckereien über größere Distanz.

Es hat einige Jahre gebraucht, ein gutes Schnecken-Management zu entwickeln. Hier teile ich mit Euch meine Tipps:

  1. Tipp 1: Kein Schneckenkorn, lieber Nützlinge ansiedeln
  2. Tipp 2: Von der Hauptkultur ablenken
  3. Tipp 3: Schneckenfallen
  4. Tipp 4: Jungpflanzen schützen
  5. Tipp 5: Gesunde Pflanzen sind robuster
  6. Tipp 8: Hühner und Laufenten
  7. Tipp 7: Absammeln und umsiedeln

Tipp 1: Kein Schneckenkorn,
lieber Nützlinge ansiedeln

Die spanische Wegschnecke ist die gefräßigste aller Schnecken und kann schonmal über Nacht ein paar Neupflanzungen kahlfressen. Natürliche Feinde sind zum Beispiel der Igel, die Blindschleiche, Eidechsen, Käfer, Kröten, Vögel und andere Schnecken wie die Weinbergschnecke und der Tigerschnegel.

  • Bietet den Vögeln Nahrung, Schutz & Brutstätten mit Bäumen, heimischen Hecken und Vogelhäuschen
  • den Igeln Laub-und Geästhaufen
  • den Käfern Totholz
  • den Eidechsen Steinhaufen
  • eine hohe Krautschicht, also natürlich belassene Bereiche im Garten für Kröten und Blindschleichen

Weinbergschnecken und Tigerschnegel dezimieren die Eier der Nacktschnecken und sind deshalb besonders wertvolle Gartenhelfer. Daher empfehlen wir auch kein Schneckenkorn, denn das ist ein Gift gegen alle Schnecken, es tötet auch die guten Schnecken, die die Gegenspieler der gefürchteten Nacktschnecke sind.

Würdest Du auch Gift gegen Vögel und Igel ausbringen? Wahrscheinlich nicht. Indirekt werden diese mit dem Schneckenkorn über die Nahrungskette nämlich auch vergiftet. Auch wenn auf der Packung steht „unbedenklich für Haustiere“ ist das nur die halbe Wahrheit. Und das im ökologischen Landbau zugelassene Ferramol tötet leider auch die guten Schnecken. Gift hat im Garten einfach nichts zu suchen…

Tipp 2: Von der Hauptkultur ablenken

Um die Kulturen zu schützen, biete ich ihnen Ablenkung, denn sie mögen echt gern auch Ringelblume, Melden und Mohn, die sich bei uns regelmäßig selbstaussamen. Ich lasse immer ein paar dieser Pflanzen stehen als Opferpflanze und Ablenkung von der Hauptkultur. Doch am liebsten mag die Schnecke leicht Angewelktes. Deshalb lasse ich beim Beikrautzupfen immer ein bisschen neben dem Beet liegen oder mulche damit gleich. Wenn die Schnecken so angelockt sind, weiß ich ja, wo ich suchen muss. Sie sind sehr emsig dabei, Ordnung zu schaffen, wenn ich mit meinem Marmeladenglas zum Absammeln komme.

Meine neueste Erkenntnis ist eine wirkliche Arbeitserleichterung: Die Winterheckenzwiebel rings um die Beete gepflanzt, ist ein wahrer Leckerbissen für Schnecken und eine sehr gute Schneckenfalle. Das Schöne ist, sie kriechen bis auf die Blüte hoch und dort kann man sie auf bequemer Höhe wunderbar absammeln. Die Winterheckenzwiebel ist eine mehrjährige Lauchzwiebel, die jedes Jahr größer wird und geteilt werden kann. Du kannst sie auch (wenn du das Saatgut nimmst) direkt aussäen oder vielleicht lieber vorziehen und dann büschelweise in Reihe (mit einem Abstand von 40-50 cm) rings um deinen Garten setzen. Sie blühen dann im zweiten Jahr auf Kniehöhe. So kannst du abends einfach eine Runde drehen und dort die Schnecken perfekt einsammeln.

  • Ringelblume, Melde und Mohn zwischendurch stehenlassen als Opferpflanzen
  • Gezupftes Beikraut neben dem Beet anwelken lassen, Schnecken dort absammeln
  • Winterheckenzwiebel rings um den Garten oder das Beet setzen und dort regelmäßig absammeln.

Tipp 3: Schneckenfallen

Zwischen den Beeten haben wir Holzbretter ausgelegt. Am Tage verkriechen sie sich unter den Brettern und können auch dort wunderbar abgesammelt werden. Schnecken mögen es nicht so heiß, sie bleiben tagsüber an kühlen, schattigen Orten. Dafür sind die Holzbretter perfekt geeignet.

Eine weitere Schneckenfalle ist ein Tontopf (mit Loch), den ihr umgedreht über ein wenig Lockmaterial (z.B. Gurkenscheiben oder Salat) stülpt. Wässert den Tontopf zuvor, wenn kein Regen fällt. So werden die Schnecken durch den Geruch der Leckerbissen angelockt und ihr könnt sie dort regelmäßig absammeln. Bierfallen möchte ich nicht empfehlen, damit lockt man eher noch alle Schnecken aus der Nachbarschaft an.

  • unter Holzbrettern tagsüber absammeln
  • Umgedrehter Tontopf mit Lockmaterial

Tipp 4: Jungpflanzen schützen

Schafwolle hat sich bewährt, um die Lieblingspflanzen der Nacktschnecke gelegt, als natürliche Schneckenbarriere, aber auch als wertvoller Mulch, der nämlich gleichzeitig ein guter Dünger ist. Ich schütze damit den Rittersporn, der ganz besonders beliebt bei Nacktschnecken ist. Wichtig dabei ist, dass ihr die Schafwolle mindestens 20 cm breit um die Pflanze legt und keine anderen Pflanzen dort hineinragen. Als Schutz könnt ihr aber auch einen Schneckenzaun um die (Hoch-)beete installieren oder Schneckenschutzhauben über die Jungpflanzen stülpen.

  • Schafwolle als Schneckenbarriere um die Pflanzen legen
  • Schneckenzaun um die (Hoch-)beete installieren
  • Schneckenschutzhauben über Jungpflanzen stülpen

Tipp 5: Gesunde Pflanzen sind robuster

Wenn Schnecken nicht gerade auf der Suche nach Köstlichkeiten wie Rittersporn oder Dahlien sind, sind sie eigentlich gute Aufräumer im Garten. Meist befallen sie nur Jungpflanzen, die kümmern, krank sind, Stresssignale aussenden, überdüngt sind, am falschen Standort stehen oder zu nährstoffarm verhungern. Wenn du gesunde Pflanzen setzt, werden die meisten verschont bleiben. Aus diesem Grund bin ich auch davon überzeugt, dass es vorteilhafter ist, Jungpflanzen selbst aus Saatgut zu ziehen oder mit anderen Gärtnern aus der Region zu tauschen. Die selbstgezogenen regionalen Pflanzen sind viel robuster, da sie mit unseren örtlichen Bedingungen, dem Boden, den Lichtverhältnissen und dem Klima vertraut sind. Ich habe bisher auch mit Direktsaat keine guten Erfahrungen gemacht, denn Schnecken lieben frisch Gekeimtes. Deshalb ziehe ich alles in Aussaatschalen vor und pikiere sie dann in größere Töpfe. Wenn die Baby-Pflanzen etwas größer sind, ca. 10-15 cm, setze ich sie in die Beete. Dann sind die Pflänzchen schon nicht mehr so interessant für die Schnecken und gegenüber gelegentlichen Schneckenangriffen sind sie definitiv robuster.

Wenn Du neue Pflanzen kaufst, sind sie meist in Gewächshäusern unter Kunstlicht mit viel Dünger verhätschelt worden und dann, wenn sie in unser Klima an einen vielleicht nicht optimalen Standort rausgepflanzt werden, verkümmern sie und senden SOS-Signale an die Schnecken. So in etwa kann man sich die Kommunikation zwischen den Pflanzen und Tieren vorstellen, im Grunde ist alles Chemie. Wahrscheinlich werden die Schnecken über Duftstoffe angelockt.

Wenn ihr doch neue Pflanzen kauft: Erkundigt Euch, welche Standort-Bedürfnisse diese Sorte hat (Schatten, Halbschatten, Vollsonnig), welchen Boden sie benötigt (humusreich oder nährstoffarm, feucht oder trocken). Findet den passenden Standort bei Euch im Garten und lasst sie dort im Topf erstmal 1-2 Tage stehen, bevor ihr sie einsetzt. Wenn die Pflanzen per Postversand ankamen, müssen sie erst wieder an Licht gewöhnt werden, daher würde ich empfehlen, sie erst etwas schattig zu stellen oder an bedeckten Tagen an den zugedachten Standort zu setzen.

Der passende Boden ist genauso wichtig wie der Standort. Wenn deine Pflanze einen humusreichen Boden benötigt, euer Boden aber Sandboden ist, dann gebt noch etwas Kompost mit ins Pflanzloch. Wenn aber ein nährstoffarmer Boden bevorzugt wird, könnt ihr Euren Boden mit Sand abmagern.

  • Pflanzen aus Saatgut selbst ziehen = robustere Pflanzen
  • Zugekaufte Pflanzen an Lichtverhältnisse gewöhnen
  • Pflanzen an den passenden Standort setzen
  • Düngen oder Boden abmagern

Tipp 8: Hühner und Laufenten

Sehr gute Gartenhelfer sind auch Hühner und Laufenten. Bevor der Fuchs unsere Hühner geholt hat, hatten wir eine bunte Hühnerschar, die von Herbst bis Frühjahr, wenn wir im Garten waren, frei herumlaufen konnten. Sie suchten Schneckeneier und Engerlinge in den Beeten und pickten sich auch Schnecken weg. Da der Fuchs hier jedes Frühjahr zugeschlagen hat, egal wie sicher wir das Gehege gemacht haben, überlegen wir noch, ob wir uns wirklich noch mal Hühner oder Laufenten anschaffen sollten. Es ist einfach zu traurig, wenn so tolle Tiere, die einem schon ans Herz gewachsenen sind, so einen angstvollen Tod sterben und alle mit einem mal weg sind. Auf dem Bild sind Frechdachs und Vincent Weiß zu sehen… die Namen haben die Kinder ausgesucht. Es war eine schöne Zeit das Schlüpfen der Küken im Brutautomat zu beobachten und die Kleinen aufzuziehen. Also wir können es jedem nur empfehlen, der ausreichend Auslauf und ein sicheren Stall für die Tiere bieten kann.

Tipp 7: Absammeln und umsiedeln

Jetzt hast du einige Schnecken gesammelt, doch wohin mit den Bösewichten? Einige zerschneiden die Schnecken an Ort & Stelle. Davon kann ich nur abraten, da die Leichenteile neue Schnecken anlocken. Schnecken stürzen sich auf alles Verwesende, was natürlich in den meisten Fällen auch gut ist und für die nötige Hygiene im Garten sorgt.

Ich sammle die Schnecken und bringe sie dorthin, wo sie nicht stören und noch hilfreiche Dienste verrichten z.B. zum Komposthaufen. Du kannst sie auch in der Komposttonne entsorgen oder in der freien Natur rauslassen.

Für das Absammeln empfehle ich Gartenhandschuhe, manche nutzen eine Grillzange, aber man kann sie auch mit bloßen Händen anfassen. Ich finde nur den Schneckenschleim nicht besonders schön, denn er geht beim Händewaschen eher schlecht wieder ab.

Mich würde sehr interessieren, welche Erfahrungen du zur Abwehr der Schnecken gemacht hast! Schreib es gern in die Kommentare!

Nun wünsch ich aber viel Erfolg bei deinem Schneckenmanagement!


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