
Wenn ich genau überlege, nahm meine Liebe zu Ranunkeln mit der Geburt unserer Tochter ihren Anfang. Wie alle Eltern wollten wir ein erstes Foto an unsere lieben Verwandten und Freunde schicken. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich die Ranunkel selbst gekauft oder geschenkt bekommen hatte, aber ich legte sie neben das schlafende Baby und sie war so wunderschön, unser Blumenmädchen…
If your’re going to San Francisco
Scott McKenzie >San Francisco<, 1967
Be sure to wear some flowers in your hair…
Daran erinnere ich mich manchmal, wenn ich im Winter schon blütendurstig auf das Frühjahr Saatgutkataloge wälze und genau diesen Magenta-Farbton einer gefüllten Ranunkel suche. Das Tückische ist, in den verkaufsfördernden Prospekten und auf den Webseiten strahlen die Blüten nur so um die Wette – professionell fotografiert bei bestem Licht – dass ich mich kaum zurückhalten kann, diese Schönheiten zu ergattern.
Besonders schön sind die gefüllten Sorten, sie erinnern an kleine Pfingstrosen. Für den Schnittblumenanbau sind vor allem die italienischen und französischen Ranunkeln empfehlenswert, da sie auch eine gewisse Stiellänge erreichen. Das ist eine kleine Investition, die sich aber durchaus lohnt, da sich Ranunkeln in einem Jahr mehr als verdoppeln.
Bei den Ranunkeln ist die Metamorphose bis zur faszinierenden Blüte besonders erstaunlich. Geliefert werden nämlich kleine unscheinbare Krallen, die einwenig an Tintenfische erinnern, die Schönheit der Pflanze ist noch vollkommen verborgen. Bis zur Blüte können – je nach Anbauzeitpunkt – einige Monate vergehen.
Anzucht von Ranunkeln
Es gibt zwei Arten Ranunkeln anzubauen: Entweder setzt man sie im Herbst, zeitgleich mit den Tulpen und Narzissen, dann muss man sie „nur“ noch über den Winter bringen… im Vliestunnel, da Ranunkeln unter 3 Grad ohne Schutz erfrieren können. Oder man fängt zeitig im Januar/Februar an, die Ranunkeln im Haus vorzuziehen.
Ich habe beide Methoden getestet und mit der Überwinterung hatte ich bisher kein Glück. Im letzten Jahr sind meine Ranunkeln über den Winter wahrscheinlich sogar vertrocknet, da ich unter dem Vliestunnel wegen drohendem Frost zu wenig gewässert hatte. Daher bevorzuge ich die Frühjahrsanzucht, auch wenn sie dann ein paar Wochen später blühen.
- Schritt 1: Wässern
- Schritt 2: In Anzuchterde setzen
- Schritt 3: Ans Licht gewöhnen
- Schritt 4: Umzug ins Gewächshaus
- Schritt 5: Ab in den Vliestunnel
- Schritt 6: Pflege
- Schritt 7: Ernten & Freuen
- Schritt 8: Ausgraben und Einlagern
Schritt 1: Wässern
Die Ranunkelkrallen müssen für die Voranzucht ca. 4 Stunden in lauwarmem Wasser gewässert werden, dann können sich die kleinen Tintenfische so richtig vollsaugen. Zwischendurch ein paarmal umrühren, dass etwas Bewegung und Sauerstoff ins Wasser kommt.
Schritt 2: In Anzuchterde setzen
Ich nehme meist eine dieser großen Transportkisten für Pflanzen, die sind in sich geschlossen, darin fülle ich torffreie Anzuchterde (z.B. Kokosblocks) und setze die Ranunkeln ganz eng, aber so, dass sie sich nicht berühren. Sie keimen in Dunkelheit, daher werden sie mit ca. 1cm Erde noch mal abgedeckt, ein wenig angegossen und kommen in eine dunkle Ecke zwischen 10 und 15 Grad (z.B. im Keller, in einem ungeheizten Raum oder im kühleren Flur).
Die Erde sollte in der Zeit nicht austrocknen, aber auch nicht zu feucht sein, Ranunkeln können nämlich auch schnell faulen. Wenn die Erde in der Zeit zu trocken wird (ich prüfe das mit Finger), gieße ich mit einer kleinen Kindergießkanne oder der Ballbrause kurz drüber. Es dauert ca. 14 Tage bis erste Keimspitzen zu sehen sind.
Schritt 3: Ans Licht gewöhnen

Wenn die ersten Keimspitzen zu sehen sind und die Ranunkeln schön Wurzeln gebildet haben, können sie umziehen in Anzuchtplatten oder kleine Töpfe.

Hier nutze ich gute torffreie Anzucht- oder Kräutererde, mit etwas Sand gemischt und decke sie wieder mit ca. 1 cm Kokossubstrat ab. Jetzt können sie langsam ans Licht gewöhnt und ans Fenster gesetzt werden, ca. 10-15 Grad sind optimal.

Bei uns stehen sie im Wintergarten, da haben sie es hell und tagsüber durch die Südausrichtung heizt es sich gut auf, aber auch ein beheiztes Gewächshaus, oder ein heller Standort am Fenster in einem nicht allzu warmem Raum sind geeignet. Wichtig ist nur, dass die Temperaturen nicht unter 5 Grad gehen.
Nach ein paar Wochen zeigen sich die ersten grünen Blättchen.

Schritt 4: Umzug ins Gewächshaus
Sobald ein paar mehr Blätter da sind, können die Ranunkeln auch raus ins frostfreie Gewächshaus oder schon in den Vliestunnel. Wir stellen sie noch ein paar Wochen vor dem Auspflanzen ins Kalt-Gewächshaus und decken sie bei Frost mit Vlies ab.

Schritt 5: Ab in den Vliestunnel
Im März können sie dann in ein Rahmenbeet mit Vliestunnel. Dazu haben wir aus dem Baumarkt Stahlstangen und Elektroinstallationsrohre gekauft. Die Stahlstangen kommen ringsum das das Beet in die Erde und die Rohre biegen wir vorsichtig, dass kleine Bögen von ungefähr 50 cm Höhe entstehen. Darüber können wir dann das Vlies spannen. Wir benutzen ein sehr dickes Vlies, bei Minusgraden unter -5 Grad macht das Sinn und beschweren es ringsum mit alten Holzlatten oder Backsteinen.
Wir pflanzen sehr eng im Schachbrettmuster mit ca. 20 cm Abstand. Tagsüber nehmen wir an frostfreien Tagen das Vlies auch schon mal ab, wässern bei Bedarf und gewöhnen die Ranunkeln ans Sonnenlicht und Wind – sie mögen es luftig.
Schritt 6: Pflegen & Düngen
Die Rahmenbeete erhalten jedes Frühjahr etwas Kompost obenauf und wir streuen fermentierten Rinderdung. Später im Jahr düngen wir mit Brennesseljauche. Gegen unerwünschten Beikrautwuchs jäten wir regelmässig oder mulchen mit Heu, Stroh oder angetrocknetem Rasenschnitt. Falls sich doch Beikräuter durchschieben, rupfen wir sie einfach raus und lassen sie auf dem Beet liegen. Das hat mehrere Vorteile: Die Erde heilt sich immer selbst, sie lässt Beikräuter wachsen, die für den Boden wichtig sind. Zum Beispiel lockert der Ackerschachtelhalm den Boden und holt Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten. Ausserdem ist er mit seinem hohen Anteil an Kieselsäure ein gutes Pflanzenstärkungsmittel, ebenso die Brennessel liefert Stickstoff, selbst die Quecke ist reich an Kalium und anderen Nährstoffen. Wenn die Beikräuter sich dann auf der Mulchschicht zersetzen, stellen sie die Nährstoffe wieder den Pflanzen zur Verfügung. Zudem mögen Schnecken, die die Hygiene-Inspektoren des Gartens sind, sehr sehr gern Angewelktes und verschonen die Hauptkultur. Zum Glück sind sie nicht so scharf auf Ranunkeln.

Schritt 7: Ernten & Freuen
Bei der Frühjahrsanzucht kommen die Ranunkeln im April/Mai zur Blüte. Die ersten sind noch recht klein mit kurzen Stielen. Wir schneiden sie für niedrige Vasen im Haus oder trocknen sie kopfüber. Wenn regelmäßig geschnitten wird, produziert eine Pflanze ca. 8-12 Stiele, bis die Energie verbraucht ist und die Temperaturen für Ranunkeln ab 20 Grad zu hoch werden. Sie mögen es etwas kühler. Ranunkeln halten erstaunlich lang, bis zu 14 Tage in der Vase und faszinieren in jedem Stadium, auch als Trockenblume. Geschnitten werden sie kurz bevor sie sich entfalten, man sagt „im Marshmallow-Stadium“, also wenn ihr sie drückt, merkt ihr, wenn sie so gummiartig nachgeben. Wir schneiden sie ganz tief und schräg an und stellen sie gleich ins Wasser.
Schritt 8: Ausgraben und Einlagern
Nach der Blüte ist vor der Blüte…. Wenn der Blütenflor abgeebbt ist, graben wir sie mitsamt den Blättern aus und lassen sie in Drahtkisten im Schuppen trocknen, damit die Kraft aus den Blättern wieder in die Knollen geht. In Regionen mit milden Wintern kann man sie auch im Beet lassen und im Winter gut mit Stroh abdecken. Wir haben nur dafür nicht den nötigen Platz, die Sommerblüher ziehen dann in die Rahmenbeete. Das Schöne beim Ausgraben & Trocknen ist auch, dass man die Ranunkeln teilen kann, sie haben sich mehr als verdoppelt. So kann man – Jahr für Jahr – seine Sammlung an besonderen Sorten erweitern. Wenn sie getrocknet sind, kommen sie ohne das welke Laub in einen Wäschesack und hängen bis zum nächsten Jahr luftig, dunkel und frostfrei, zum Beispiel in einem Schuppen oder Keller – eine hängende Verheißung sozusagen 😉
Wir lieben Ranunkeln, sie sind zwar aufwendig in der Anzucht, aber es lohnt sich ungemein. Sie sind auch allein in Sträussen ohne viel Begleitgrün oder gesteckt in Gefässen wunderschön. Seht selbst:

An alle Blumenmädchen:
Lasst Blumen blühen!!!
Nun aber viel Freude mit euren Ranunkeln! Wenn ihr Fragen habt, immer her damit!


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